2010 22 Jun
I love the French!
Von: Michael Lynn um 20:06 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare
Bitte, ich liebe französische Skipper. Die können vieles total gut. Essen zum Beispiel, davon verstehen sie was. Rotwein-Experten sind sie auch. Da können wir ihnen nicht das Salzwasser reichen. Aber wenn sie anfangen, Schiffe zu bewegen, sollte man rechtzeitig in Deckung gehen, damit einen nix trifft. Mother Ocean zum Beispiel traf ein Bugsprit. Straight durch ein Fenster über der Pantry. Festgemacht im Packl mit einem südafrikanischen Kat an der Reception Pier in der Marina von Horta, Faial, Azoren. Und jetzt probier mal, ein Fenster aus einem Zentimeter Plexiglas aufzustellen 85 x 25 Zentimeter, mit runden Ecken und 24 präzise gebohrten Schraublöchern.
Bitte, binnen 24 Stunden haben wir auch das geschafft und danke, liebe Mid Atlantic Yachtservices: Die Truppe ist echt Spitze. Die Lieferung abgewartet haben wir in der nach einhelliger Jurymeinung besten Segler-Bar des Planeten. Sie heißt Peters Cafe Sport und hat keinen freien Fleck Wand, weil jede Crew, die auf sich hält, hat dort ihren Crewwimpel aufgehängt und dazu ein mehr oder weniger hübsches Graffiti an der Hafenmauer hinterlassen.
Freundlich und hilfsbereit ist das Personal. Genau wie die Taxler, die Handwerker, die Verkäufer im Werkzeuggeschäft, und überhaupt alle Azorianerinnen und Azorianer, denen wir begegnen. Das einzige Gesäß, das aus diesem schönen Bild hervorleuchtet, war der französische Skipper, der mir breit grinsend erzählt hat, meine Crew ist schuld, dass er uns gerammt hat, weil hätt sie rechtzeitig die Fender rausgehängt… – ich hab ihn nicht getötet. Zu meiner bleibenden Verwunderung. Aber segeln beruhigt offenbar ganz gut und nachhaltig.
2010 22 Jun
Bermuda-Horta: Wir habens geschafft.
Von: Michael Lynn um 20:05 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

Abstürzende Drucklinien - ein Bild von einem Sauwetter auf 39N/60W

Vier Tage vorm nackten Mast. Erzieherisch, irgendwie....

Fright Night: Irgendwann warens nicht mehr 8 Bft, sondern 10...

King Kong war da - ein Bild von enem Wellenschlag.

Die gute Energie - danke,Delfine!
Wir habens geschafft. Wir habens… geschafft… – ge… – wie eigentlich? Ich schaue auf die letzten 24 Tage zurück und sehe 30-sekündige youtube-clips durch mein Gedächtnis rauschen – aufgenommen aus ziemlich seltsamen Kamerawinkeln. Hab ich Entkörperlichungserfahrungen gehabt? So ähnlich wie diese häufig beschriebene Nahtod-Nummer, wo Du von unten auf Dich runterguckst, und auf die Ärzte, die den Defi laden?
Egal. Schreib ich halt diesen Blog auch in Form von youtube-clips. Filmausschnitte von einer Reise an Grenzen: Treibeisgrenze, physische Leistungsgrenze, psychische Leistungsgrenze, pipapo. Am besten, wir machens gleich mit youtube-kompatiblen Filmchentiteln:
“Flying Dolphins in Raging Waves
Never seen before – watch it!”
Ich stehe am Steuer und schaue einer Schar Delfine beim Spielen zu. Normalbetrieb, irgendwie, bis auf die Tatsache, dass ich dazu den Kopf ins Genick legen muss. Seit wir Bermuda verlassen haben, schickt uns ein kompaktes subtropisches Sturmtief Winde, die uns in einer ziemlich geraden Linie nach Norden treiben. Ist mir Recht: Mother Ocean ist ein Segelboot, kein Motorsegler. Also folge ich der traditionellen Route Richtung 40 Nord, 50 West. Oder doch eher 60 West? Jedenfalls: Der Weg ist ungewöhnlich nass und salzig, weil hart am Wind bei sechs bis sieben Windstärken und entsprechende Welle. Entsprechend zermürbt kriecht die Wache bei Sonnenaufgang hinters Steuer. Es ist ein strahlend klarer, wolkenloser Morgen. Das Meer ist tintenblau mit persilweißen Schaumkronen – und dann sind die Delfine da. Sie ziehen über mir durch Wellen, die das Deck um Meter überragen und man sieht, sie haben Spaß dabei. Ansteckenden Spass. Meine Müdigkeit verfliegt. Ich beginne, im Kreis zu grinsen. Delfintherapie für Seeleute? Gibts nicht? Gibts doch. Macht´s gut – und danke für die gute Energie…
“Insane Offshore Action!
Must see – these blokes are out of their effing minds, man!”
Kameraeinstellung: Mother Ocean von leicht oben, so zirka aus der Höhe erste Saling, beschienen von einem diffusen Vollmondlicht, das durch eine niedrige Wolkendecke scheint. Alles, echt alles ist geisterhaft weiß: Das Deck, der zunehmend flächendeckende Schaum auf dem Wasser, die Welle, die seitlich über das Boot donnert und sich anschickt, zu zertrümmern, was nicht niet- und nagelfest (und vor allem Wharram-kompatibel wasserdurchlässig!) ist, und zwei Gestalten, die im Chaos übers Deck turnen. Der Soundtrack ist ein höllisches Kreischen und Pfeifen.
Vor Einbruch der Dunkelheit haben wir die Segelfläche auf die erstens handtuchgroße, zweitens kugelsicher ausgeführte Sturmfock reduziert. Gut so. Nach dem Wechsel fuhren wir zwischen fünf und sieben Knoten über sechs Meter Welle. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden es acht bis 12 Knoten über acht Meter Welle. In meiner Koje liegend registriere ich den zunehmenden Wind als anschwellendes Brummen und die Welle als irgendwas zwischen sehr lautem Rauschen und gedämpftem Donner. Und es wird lauter, und lauter, und…. – naja. Nix, wo Du ruhig schläfst, halt. Irgendwann macht der Rudergänger eine falsche Bewegung und wir schlagen quer. Als ich an Deck stürme, liegen wir mit backstehender Sturmfock da und der Wind, vor dem wir vorher elegant davongelaufen sind, erzeugt ein Kreischen in den Wanten, das irgendwie fatal an Unzucht treibende Katzen erinnert. Nur noch viel lauter und böser. Ich muss an diesem Punkt irgendwie meinen Körper verlassen haben. Weil die erste Welle, die über das Boot geht, zeigt mir meine Erinnerung richtiggehend aus der Vogelperspektive. Wie länge hält das Boot das aus, frage ich mich. Im Hirn leuchtet das Blinklicht „don´t panic“ auf. Ich flute mein Hirn mit valiumanalogen biologischen Wirkstoffen, werde ganz, ganz ruhig, ignoriere das Unmittelbare und rede erst mal von Mittelbarem, aber für den Fortgang der Reise auch ziemlich Spielentscheidendem: „Lieber Andi,“ sagte ich zum Andreas Hess, „wenn wir die Sturmfock morgen noch haben wollen, muss sie jetzt leider runter.“ Der Hess ist als Vordecksmann ein Gigant. Wortlos geht er nach vorne in die fliegende Gischt. Oder eigentlich: Er kriecht. Ungefähr so wie sich die Igel vermehren, und Igel vermehren sich sehr vorsichtig. Gut so. Zeitweise sehe ich ihn bis zur Hüfte im Wasser sitzen. Echter Held, also wirklich. Als die backstehende Fock weg ist, stelle ich mich ans Steuer und lasse mich von den Wellen mit jedem Einschlag mehr auf einen platten Downwind-Kurs dreschen. Nach gefühlten 120 Jahren zeigt die Logge wieder Speed: 2 Knoten, vier, sechs… – irgendwann tunt sich das enervierende Kreischen auf das vertraute Brummen zurück. Wir laufen acht bis 14 Knoten unter nacktem Mast. Immer noch zu schnell. Der Raini Bröthaler erscheint an Deck und mischt sich in den Kriegsrat ein. Ich plädiere dafür, als Seeanker einen der Autoreifen zu wassern, die wir in Bermuda mitgenommen haben. Raini plädiert für eine Leinenbucht und gewinnt: Die Leine nimmt den Surfs den letalen Impact, ohne den Speed nachhaltig zu beschädigen. Sie wird für Tage unser bester Freund werden: Insgesamt laufen wir vier Tage unter nacktem Mast, mindestens 24 Stunden davon mit Leinenbremse.
“Kong is King
Wave-battered Wharram cat – incredible footage, looks like Kong Kong walked the deck in anger…”
Der Andi Hess ist ein ganz Genauer. Gut so, denn einen ganz Genauen braucht es in jeder Crew. Ich meine, dass er irgendwann unbemerkt meine Reisenotizen von früheren Törns und meine Segel- und Funkscheine aus der Lade geholt und einzelweise abfotografiert hat, ist vielleicht ein bissl unsensibel und intrusiv, und empfindlichere Naturen als ich hätten einen bleibenden Grant davongetragen, wegen Verletzung der Privatsphäre und so, und bei nächster Gelegenheit werd ich wohl ein Schloss auf meine Laden tun, aber es hat halt alles im Leben ein Preisztterl, und dass man einen ganz Genauen an Bord hat, ist wirklich wertvoll. Speziell für mich, der ich dazu neige, bissel autistisch die höheren Probleme von Wetterlage, Schiffsstruktur und Strategie zu wälzen, den Tagesbetrieb zu vor sich hin laufen zu lassen und mich erst einzumischen, wenn etwas Bedrohliches am Horizont erscheint. Jedenfalls – der Andi checkt meistens als Erster, wenn was falsch ist oder fehlt. Im ersten Morgenlicht nach einem Frontdurchgang checkt er dann auch als Erster, dass die Mother Ocean keinen Laufsteg mehr über dem vorderen Netz hat. Wir hatten die bewährte, aber sperrige Passarella drauf gebunden, und das war ein Kunstfehler, denn das vordere und hintere Drittel eines Wharram sind entweder wasserdurchlässig – oder Toast. Und die Passarella war eben net wasserdurchlässig. Jetzt sieht sie aus, als hätte King Kong auf ihr Flamenco getanzt. Und der Steg darunter auch. Trümmerbruch nennen das die Mediziner, glaub ich. Ähnlich schaut es am Heck aus: Eine Welle hat das hochgeholte Ruderblatt der Selbststeueranlage getroffen und das solide Nirostarohr dahinter bis zur Unkenntlichkeit verbogen. Ein zweiter Einschlag holt es in derNacht darauf endgültig ab. Ich zucke resigniert die Achseln und schaue zum nächsten anrollenden Wellenkamm hinauf: Ist erzieherisch, die Begegnung mit einer wirklichen See. Zum ersten Mal sechs Meter sehen relativiert jede Viermeterwelle. Acht Meter relativieren sechs. Und irgendwann sagt mir der Raini Bröthaler, dass er beim jüngsten Frontdurchgang letzte Nacht eine Viertelstunde lang einen satten Zehner erlebt hat: Durchgehend weißes Wasser im Mondschein und rechne Dir die Welle aus. Mother Ocean nimmt´s, solange man sie downwind hält, wie ein geduldiger Esel, schwimmt wie ein Korken und fährt wie eine Diesellok. Nur bitte, bitte, nicht nochmal querschlagen - und nie wieder ein Wasserhindernis aufs Vor- und Achterdeck. Verspreche ich mir. Und halte ich wohl auch, denn vergessen werde ich diese Bilder nie mehr.
“Moonshine Sailing
Beautiful footage of Wharram ghosting along in light night breeze – sadly no sounddtrack: Pink Floyd would be c.o.o.l.”
Ich liege seit Stunden auf der Seite wie ein alter Römer beim Gelage, nur dass es weder Wein gibt noch in Honig gebratene Schweinskaldaunen. Mein Blick rotiert im Zehnsekundentakt zwischen dem Vorliek des Yankees, dem Kompass und dem Speed to Target auf dem grünlich leuchtenden GPS-Display: 2,8… – 3,1… -2,4… Rundherum glitzert der Atlantik im Mondlicht, und hätten wir´s net so scheisseilig, es wäre unbeschreiblich schön. Aber der Andi und der Werner müssen ihre Flüge erwischen und vor zwei Tagen sind wir leider mit voller Fahrt in das sich derzeit unaufhörlich ausbreitende Azorenhoch gelaufen. Seither kreuzen wir gegen flaue Ostwinde. Etmale um 70 Meilen werden wie Siege gefeiert und es könnt schlimmer sein, es könnte schneien. Naja. Die Anderen schlafen, ich quetsche jede Kabellänge aus dem Schiff und fühle mich nervöser als in der schlimmsten Sturmnacht. Auf vereinzelten Wolken im Osten spiegelt sich ein gelblicher Lichtschein. Das ist Flores, die westlichste Azoreninsel. Sind wir morgen dort? Übermorgen? Irgendwann lösen mich der Werner und der Bröthi ab und als ich aufwache, haben wir Flores schon passiert. Sie bewegt sich doch…
2010 22 Jun
Tortola-Bermuda: Qual mit Wal
Von: Michael Lynn um 20:01 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

Glatze. Platte. Öl. Und das drei Tage lang... - aber so sinds halt, die Rossbreiten.
Der Wal springt hoch.
Der Wal springt weit.
Warum auch nicht?
Er hat ja Zeit.
Spontan gedichtet beim Anblick einer Walschule eine halbe Meile voraus, irgendwo in der Mitte zwischen Tortola und Bermuda.
Weiters gesichtet: Delfine. Eine Schildkröte. Und geschätzte 500 Portugiesische Galeeren. Kennt keiner? Das sind als Plastiksackerl getarnte Quallen mit einem Giftpotenzial wie eine Grüne Mamba. Eigentlich schön. Leuchten auch bläulich im Dunklen. Aber bei Hautkontakt leider ziemlich tödlich. Schade, aber egal.
Ansonsten war der Trail nach Bermuda eigentlich bissel zermürbend: Mit drei Tagen Verpätung fuhren wir der ARC Europe-Flotte hinterher und das immer hart an einem ziemlich jahrezeituntypischen Nordostwind entlang, der uns weiter und weiter von der Kurslinie nach Westen vertrieb. Dass er irgendwann eingeschlafen ist, war fast eine Erleichterung. Wir haben den Carniti dann auch ganz leise angelassen, damit er ja net wieder aufwacht, und sind auf Filzpatschen drei Tage lang Richtung Bermuda gedieselt, bis ein etwas freundlicherer Westsüdwest aufsprang. Warum net gleich, bitte?
Nautisch spannend wurde es dann in der letzten Nacht, denn vor Bermuda setzt ein ziemlich muskulöser Strom Richtung Westen. Net nullkommairgendwas Knoten, Leute – zwei bis drei ganze! Mit einem Auge auf dem GPS und einem Auge auf der Windrichtung sind wir dann Richtung St. George´s balanciert: Fall 10 Grad ab und der Kurs durchs Wasser kippt um 30 Grad, fahr einen Knoten schneller und plötzlich geht es nordwärts… – und das mit einem der größten Schiffsfriedhöfe des Planeten in Lee: Die Riffe rund um Bermuda sind mit rund 500 Wracks gespickt – und das sind nur die bekannten. Naja. Anspruchsvoll war dann auch noch das Anlegen an der Zollpier von St. Georges: In der Town Cut-Passage und in der Lagune dahinter hat es einen satten Sechser geblasen und die Mother zwischen ein paar Dutzend Ankerliegern hindurch ins handtuchgroße Becken hinter der Zollpier zu manövrieren war bissle, sagen wir, adrenalintreibend. Dafür sind die bermudischen Behörden sowas von freundlich, nein wirklich! Und der Rest der Transatlantikcrew war auch schon gestellt, als wir ankamen. Nur die ARC-Flotte – die war leider schon weg. Wir haben sie starten gesehen, als wir in Bermuda einliefen. Auch schade. Aber eigentlich auch egal.
2010 22 Jun
Nanny Cay, Tortola: Irgendwie total ARC.
Von: Michael Lynn um 20:00 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

Wer eine schönere Marina kennt, darf sie behalten...
Hab ich gesagt, Tortola ist sauteuer? Isses auch. Aber es wirkt. Nanny Cay ist eine kleine Feriensiedlung plus Hotel plus Marina 10 Fahrminuten von der Hauptstadt und, nebenbei gesagt, die vermutlich schönste Marina des Planeten. Oder kennt irgendwer von Euch eine andere Marina, in der man fünfzig Meter von der Pier über einen blitzsauberen weißen Sandstrand ins türkisgrüne Karibikwasser rennen kann? – Immer vorausgesetzt, man schaffts an der Beachbar vorbei, in der eine dauerfröhliche Karibin muskulöse Cocktails mixt.
Eigentlich waren wir in Nanny Cay mal wieder im Dauerstress, weil Dauerstress gehört irgendwie zum ARC Europe dazu: Formulare ausfüllen, Sicherheitscheck, Skipperbriefing… – ächz! Und parallel dazu haben wir dort, wo es bei der Testfahrt reingespritzt hat, Dichtungen angebracht, und das war, kurz gesagt, bei allen Luken, haben noch diverse Scharniere und Verschlüsse angeschraubt und waren, alles in allem, mal wieder voll beschäftigt. Aber irgendwann, knapp vorm totalen Sonnenstich haben wir das Werkzeug fallen gelassen und sind ins Wasser gesprungen. Und dann haben der Bröthi und ich uns angeschaut und festgestellt, das das das erste Mal war. Wir waren echt vier Monate in der Karibik und kein einziges Mal im Wasser. Bissl gaga, oder? Aber dafür ist die Mother Ocean wieder ein Schiff und morgen geht sie raus auf den langen Trail über den Atlantik.
2010 22 Jun
St. Lucia-Tortola: 49 Stunden Vollgas
Von: Michael Lynn um 19:59 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

BVI´s - sauteuer, aber sie wirken.
Aus dem Karibischen Meer wächst ein Zuckerhut – das erste Stück British Virgin Islands, das der Seefahrer am Ende der Passage zu Gesicht bekommen. Ich grinse den Bröthaler an. Der Bröthaler grinst mich an. Und dabei bröckelt das Salz aus unseren Gesichtern. Voll eingesalzen, genau wie unsere Jacken, Schuhe, Haare, Sonnenbrillen – überhaupt alles.
Ist auch kein Wunder. Die letzten 48 Stunden sind wir gefahren wie die Schweine. Nach dem Morgenkaffee haben wir in Rodney abgelegt, sind den Kanal rausgetuckert und haben die Segel aufgezogen.
Eine halbe Stunde später waren wir im freien Passat und haben Gas gegeben. Weil, so hatten wir bei uns gedacht, nach vier Monaten Reparatur und Restaurierung sollte man den Nordatlantik net überqueren, ohne das Schiff einem kleinen Härtetest zu unterziehen, richtig? Richtig. Also haben wir im fünf Beaufort-Passat Segelflächen stehen lassen, die ich normal net tolerieren täte und sind mit bis zu 15 Knoten durch die Wellen getschundert. 320 Meilen sinds Luftlinie von Rodney nach Tortola. Und dann ist da noch die Sache mit der Saba-Bank. Das ist eine ausladende Flachwasser-Zone vor der an sich touristisch mäßig interessanten Insel Saba, und wer sie nicht umfährt, kann sich bei ungünstigen Wetterlagen in einer brechenden See wiederfinden.
Also noch geschätzte 30 Meilen Umweg westlich um die Saba-Bank und dann über die Sombrero-Passage zu den BVI´s und die Sombrero-Passage kann auch was, seegangsmäßig, also wirklich. Am Ende haben wir für die ganz Veranstaltung 49 Stunden gebraucht, was sowas 7,3 Knoten Schnitt bedeutet. – Schnitt, Leute!
Wir haben dann ein Ankerplatzerl nahe der Customs and Immigrations-Station an der Fährpier gefunden, einen, gemessen an anderen karibischen Inseln, eher mühsamen Amtsweg durchlitten und den Michl Weilguny eingesammelt. Er fährt die komplette Route bis Gibraltar mit und hat schon die Insel erkundet, während wir noch unterwegs waren.
Fazit: Sauteuer. Aber das Steak, das wir an diesem Abend hatten, das hat gewirkt. Das Bier übrigens auch. Und morgen Früh, Leute, da verholen wir nach Nanny Cay, denn dort liegt die ARC-Flotte.

