Österreichs Magazin für Segeln, Motorbootfahren und Wassersport





2009 31 Jan

Das echte St. Lucia

Von: Michael Lynn um 11:04 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

Meet the Wireman!
Der zehnte Wharram Wanderbrief und der endgültig letzte aus St. Lucia, weil morgen geht’s nach Martinique.

Lang ists her, dass ich geschrieben hab, aber irgendwie… – naja. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja – Margarita kam, wir hatten grad noch rechtzeitig zusammengeräumt, und dann sind wir runter nach Süden gesegelt. Haben hinterm Riff vor Anse la Raye geankert, einem kleinen Fischerdorf, das noch so aussieht, wie die ganze Karibik früher aussah: Windschiefe Bretterbuden, aus denen rund um die Uhr Musik klingt. Menschen ohne Geld, die trotzdem fröhlich sind. Frischer Fisch, der kein Geld kostet. Schön wars.

Willkommen im echten St. Lucia: Gros Islet

Dann sind wir weitergesegelt zu den Pitons, den Zuckerhut-Bergen, die auf keiner St.Lucia-Ansichtskarte fehlen dürfen. Ankern darf man dort nicht mehr, weil Naturschutzgebiet. Aber wir fanden eine Muringboje nahe beim schönsten Resort in der Anse des Pitons und sind unvorstellbar abgehangen.
Und irgendwann gings dann wieder rauf nach Rodney, und da sind wir jetzt und sind sehr nachdenklich.

Es ist der Abschiedsabend von Fabio, Martin und Margarita. Wir verbringen ihn nicht in den üblichen Yachtie-Hangouts, sondern unter Rastas. Gros Islet ist ein sehr naturbelassenes Dorf hundert Schritte vom rund um die Uhr bewachten Zaun der Rodney Bay Marina.

Du triffst dort alle Leute, vor denen Dich Dein Reiseführer immer gewarnt hat, und weißt was? Sie sind entspannt, freundlich und völlig unaggressiv.

Wir landen in Charles’ Restaurant and Bar, einem Hangout, das ein bisserl frischer lackiert und ein bisserl weniger windschief zusammengebrettert ist als der Durchschnitt von Gros Islet, und werden verwöhnt bis zum Abwinken. Und irgendwann steht dann der Wire Man an unserem Tisch. Er ist höflich, unaufdinglich und angenehm. Er stellt ein selbstgestricktes Drahtgebilde auf den Tisch: Ein Boot unter vollen Segeln. Zu haben für 20 EC. Fabio schlägt zu und Martin fragt, ob es auch einen Kung Fu-Kämpfer aus Draht gibt. Der Wire Man verschwindet für 20 Minuten und kommt mit einem kleinen Kunstwerk zurück. Auch nur 20 EC.

Und als uns der Wire Man zum Abschied die Hand gibt, merke ich dass sie eiskalt ist und etwas zittert. Die anderen merkens auch und wir sind nachdenklich. Irgendwas ist faul hier im Paradies. „Is he on drugs?“, fragt Fabio die Hausherrin. „Oh, yes. But he is nice and decent, not like some others.“

Ein Puzzlestein mehr in der hässlichen Rückseite der wunderschönen Ansichtskartenfotos: Crack ist auf den Inseln angekommen, und wo ich früher stets nur in die Schwerelosigkeit weggerauchten Rastamen begegnet bin, begegne ich jetzt zu oft zerlumpten, zitternden, schwitzenden Gestalten, die mich Brother nennen und um Geld für Brot anbetteln – und warum fällt mir dabei der Wiener Karlsplatz ein?

Ist kein Zufall, leider. Wir hören es im Schatten des Gros Piton an einem kleinen Feuer unter den Sternen. Auf dem Feuer brät ein Bluefin, den wir am Morgen in Anse La Raye um einen Witzbetrag von Fischern gekauft haben.

Patrick, der Boatboy, sitzt bei uns und erzählt sein Leben. Er arbeitet hart, geht jeden Tag fischen und gabelt danach Kunden für Dienstleistungen aller Art von den ankommenden Yachten auf: Eine Kletterpartie auf den Piton? Sicher. Tauchen gehen? Kein Problem.

Sein Boot ist seine Existenz. Bekommen hat er es von seiner Mutter , sagt er. Ja, wirklich? „Yo, man. Was da only way she thoght would make-a me stop dealing crack an runnin round wid dem boyz. She was so scared for me, mon.“

Wir starren schweigend ins Feuer.

Irgendwo draussen in de Nacht, zehn oder zwanzig Meilen westlich, ziehen die schwarzen Speedboote und die Kleinflugzeuge der Drogenmafia Richtung Florida. Wär schön gewesen, wenn sie um die Inseln einen Bogen gemacht hätten.

So vieles wäre so schön gewesen. Aber gekommen ist es anders. Naja. Aber der Bluefin – der hat sensationell geschmeckt. Und Martin nimmt einen Draht-Kickboxer mit heim. Und ich gehe nachdenklich nach Haus aufs Boot. Bis bald. Hoffentlich mit einer schöneren Geschichte.



2009 19 Jan

Wenn Margarita kommt

Von: Michael Lynn um 14:05 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

“Not Today …”

Der neunte Wharram-Wanderbrief, schon wieder verfasst in Rodney Bay: Irgendwie kriegen wir hier den Anker net hoch …

Apropos Anker: Ich sollt mal die Taucherbrille aufsetzen und nach dem Anker sehen. Schön langsam setzt er Korallen an, denke ich. Aber… – not today.

Die Kutterstag gehört auch dringend nachgetrimmt, aber … not today.

Und eigentlich schaut das Boot aus wie bei Müllers unterm Sofa und ich sollt mit einem so irgendwie eisernen Dings … Besen … durch … äh, … fahren, aber …

Fabio, der Muranoglas verkaufende Motorbootcaptain vom Gardasee, ist vorgestern angekommen. Martin, der Kung Fu-kämpfende Aquarellmaler, hätte gemeinsam mit ihm ankommen sollen, aber … – “Not today!”: Erst blieb er in Chicago hängen und dann in Miami. Wir haben ihn dann am nächsten Tag eingesammelt. Mit Vergnügen sogar: Ist immer ein billiger und hoch befriedigender Ausflug, der Trip zum Viege Airport in Castries.

Weil Bars oder sowas suchst Du zwar im Airport-Gebäude vergebens, das ist von Größe und Ausstattung her eine bessere Regionalzug-Haltestelle. Aber vor dem Airport-Zaun donnert eine sensationelle Brandung einen blitzsauberen, kilometerlangen Sandstrand hinauf und unter den dazugehörigen Palmen stehen Rum-Shacks, in denen man für Witzbeträge eiskaltes Bier bekommt, den Einheimischen beim Zocken zusieht und dabei lernt, dass auch Domino eine Kontaktsportart sein kann.

Den Schwechater Airport ähnlich einzurichten würde zwar voraussetzen, dass man die ungarische Tiefebene durch einen Stichkanal zur Nordsee flutet, aber das tät sich irgendwie schon auszahlen, denke ich: Noch nie hab ich so entspannt und kostenneutral auf einen Flieger gewartet.

Fabio und Martin sind die besten Freunde vom Multiplen Markus, aber treffen werden sie ihn hier leider nicht mehr: Während sie sich nach St. Lucia gekämpft haben, wurde in Fort de France nierensteinmässig nix besser, im Gegenteil, und morgen Abend reist der Multiple Markus in ärztlicher Begleitung von Martinique über Paris nach München und dann im Krankenwagen ins Salzburger LKH. Margarita darf net mitfliegen und kommt deshalb mit der Fähre von Martinique rüber, um den Rest vom Urlaub auf der Mother Ocean zu verbringen.

Ja… äh… Margarita kommt… – Wir knotzen mit Blick auf den schönsten Badestrand von Rodney unterm Sonnenzelt der Mother Ocean.

Margarita kommt… morgen… – Martin fitzelt mit einem Opinel-Feitel einen unvorstellbar scharfen Mini-Pepper und eine halbe Wurzn Ingwer vom lokalen Markt in kleinteiligen Brei und lässt dann eiskalten finnischen Edelvodka darüber rinnen.

Margarita kommt… und irgendwie sollten wir… – Ich koste vom Resultat und verliere vorübergehend meine Muttersprache.

Margarita kommt, und als ich wieder klar und tränenfrei sehe, schweift mein Blick übers Deck und dann durchs Niedergangsluk auf die Pantry. Ich mein, da WAR doch kürzlich noch eine Pantry, oder? Man sieht zwar nix außer einem prekär getürmten Haufen leerer Bierdosen und Rumflaschen und welker Gemüse und halb gegessener Guacamole und provisorisch abgewaschener Pfannen, aber bitte, ich könnt schwören, Anfang der Woche war da noch eine richtige zweizeilige Pantry, echt, Leute!

Meine Muttersprache kehrt vorübergehend zurück, ich räuspere mich und sage: „Leute, ich hätt gern…“

„Klar, ich mach Dir einen.“

„Nein, ich hätt gern…“

„Mit scharf? Oder nur Ingwer?“

„ICH HÄTT GERN ZUSAMMENGERÄUMT, BEVOR DIE MARGARITA KOMMT, LEUTE!!! HIER SCHAUTS AUS WIE IN EINEM MATROSENHEIM NACH DER JUNGGESELLENPARTY!“

„Isses ja auch. Also, nur Ingwer?“

„Nein. Mit scharf ist O. K.“

Ich sinke zurück ins Katamarannetz. Das Höllengetränk spült die letzten Reste Muttersprache weg. Margarita kommt. Wir werden total toll zusammenräumen, weil sie soll ja den richtigen Eindruck von uns haben. Zusammenräumen werden wir. Sowas von. Aber… not today…

Und als geisterhaftes Echo klingt die Stimme des Multiplen Markus durch meinem Kopf: “Glaubst, wird man selber so, wenn man zu lange hier auf der Insel bleibt…?”

Schätze, ja, Markus. Du brauchst nicht mal auf der Insel bleiben. Same shit, different Island, mon.
Noch so ein Ingwerdings, bitte, Jungs. Auf den Multiplen Markus, den Helden von Whisper Cove. Guten Flug, mon. Happy landing. And Jah Rastafar-I, ever livin, ever lovin, will make every little thing to be allright. One Love, mon!



2009 15 Jan

Reminiszenzen aus St. Lucia

Von: Michael Lynn um 10:39 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

Die verlorene Zeit von Rodney Bay

Der achte Wharram Wanderbrief, verfasst im „Scuttlebutts“ in Rodney Bay und übermittelt mit dem ARC 2008-Lan von Digicel – ganz lieben Dank für hohe Bandbreite zu keinen Kosten!

Zum ersten Mal seit sechs Wochen bin ich einen vollen Tag lang völlig allein: Ich streune durch die Rodney Bay Marina und entdecke die verlorene Zeit, denn hier wird sie plötzlich sichtbar.

Anderswo in der Karibik ist der Status Quo in zähes Gelee gegossen, das nur alle Jubeljahre durch einen Hurrikan oder Vulkanausbruch aufgemischt wird:  Ob auf Union oder St. Vincent, du findest in jedem Hafen keinen Fortschritt. Die selben Bars, die selben Yachties, die von den selben Boatboys umzingelt sind und die selben Barkeeper, die grinsend die selben  Drinks einfüllen, bis jede Messmarke überschritten ist. Sogar die Nägel, die seit Jahr und Tag aus bestimmten Dinghy-Piers herausstehen, scheinen unter Denkmalschutz zu stehen.

Aber Rodney Bay – also wirklich, das kennst net wieder.

Die Lagune von Rodney Bay ist ein perfektes Hurricane Hole mit einer langen, bewegten Geschichte, die wesentlich um einen französischen Piraten namens „Holzbein“, einen britischen Admiral namens Rodney und einen österreichischen Pyramidenspieler namens Werschlein rotiert.

Ersterer hinterließ einen legendenumwobenen Schatz, nach dem sie draußen auf Pidgeon Island noch immer buddeln.
Zweiterer tarnte die Riggs seiner Schiffe mit Palmwedeln,  fiel den Franzosen in den Rücken und besiegelte die britische Vorherrschaft auf der Insel.
Dritterer prellte in den wilden Achtzigerjahren eine lange Liste gutgläubiger Charterkäufer um ihre Boote, hinterließ ausgeweidete Yachtwracks und veritable Millionenschulden – und dass St. Lucia, eben auf dem Atlas der österreichaffinen Charterdestinationen aufgetaucht, nicht gleich wieder in Vergessenheit versank, verdankt die Insel dem Ulli Meixner, der eines schönen Tages in Rodney den Anker seines 36-Fuß Wharrams warf, im Alleingang die Ruinen des Werschlein-Imperiums sanierte und mit DSL wie „Destination St. Lucia“ bis zum heutigen Tage eine kleine, feine Charterunternehmung in dieser Marina führt.

Halt, einen haben wir noch vergessen in der Liste der Wichtigen und Historischen: Jimmy Cornell, von Geburt Segler,  vom Herkommen Rumäne, Autor des Standardwerkes „Segelrouten der Weltmeere“ und Begründer der Atlantic Rally for Cruisers. Sie führt seit 21 Jahren alle Jahre wieder weit über 200 Yachten von Gran Canaria nach St. Lucia, Rodney Bay.  Die Idee hat erstens nicht wenige Leben gerettet, denn mit einem sicheren Netz wie dem ARC sind auch Herzanfälle, Mann-über-Bord-Events und ähnliche potenzielle Desaster ein bissel handhabbarer. Und zweitens dürfte sie viel Geld nach Rodney Bay gespült haben.

Denn als ich zum ersten Mal hier war, war das Scuttlebutt eine Bretterbude, in der Pina Colada im Schaumstoffbecher ausgeschenkt wurde und halbprofessionelle schokobraune Schönheiten, diskret von wild aussehenden Rastas angeleitet, sich von sexuell ausgehungerten Transatlantik-Seglern jagen ließen, bis sie einen gefangen hatten.

Die Rodney Bay Marina war eine übersichtliche Schwimmsteganlage, rund um die minderbudgetierte Yachties in stillem Wasser ankerten.

Und des Abends hörte man nix als die Zikaden.

Jetzt weht der Abendwind gelegentlich dumpfe Bässe karibischer Discos über die Lagune, in der neuerdings striktes Ankerverbot herrscht: Wer sich keinen Stegplatz leisten kann, muss leider draußen auf der Reede bleiben und darf mit Recht vermuten, dass seine Armut die Marinadirektion ankotzt.

Wo früher der nördliche Schwimmsteg war, hat ein rühriger Investor ausdrücklich betoniert: An riesenhaften, nachts in geisterhaftem Blau beleuchteten  Betonpiers ist Platz für protzige Megayachten reserviert.

Und das Scuttlebutt ist zu einem amerikanisch-professionell organisierten Gastronomiebetrieb mutiert, in dem einem aufregende Kellnerinnen verzweifelt ein schlechtes Gewissen zu vermitteln versuchen, wenn man sein Bier beim Bloggen zu langsam trinkt.

Mother Ocean liegt draußen auf Reede. Dieses Blog hat drei Piton-Biere lang gedauert, mehr krieg ich nicht runter, liebe Scuttlebutts. Und wenn wen meine Armut ankotzt, soll er nicht rummaulen, sondern mir einen Scheck schicken.

Ich sattel jetzt meinen Radierer und fahr heim. Zahlen bitte. Und … – bis nächstes Mal in einer anderen Bucht.



2009 10 Jan

Der Fluch der Karibik

Von: Michael Lynn um 6:00 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | 2 Kommentare

Der multiple Markus hat jetzt aufgehört zu wimmern. Die Infusion wirkt allmählich. Durch das glaslose Fenster des Behandlungzimmers im Spital von Union Island pfeift der Passatwind. Man hat einen herrlichen Blick auf Clifton Harbour und die Yachten, die im türkisgrünen Wasser ankern. Aber das ist relativ reizlos für den multiplen Markus mit seiner veritablen Nierenkolik, Margarita, die seit einer Stunde die ÖAMTC Reiseversicherung zu überzeugen versucht, dass eine Nierenkolik ein medizinischer Notfall ist – und für mich: Ich hänge halb aus dem Fenster und halte mit einem Handfunkgerät Kontakt zur Mother Ocean, die in den Tobago Cays an der Muring hängt.

Irgendwann ist dann Atempause. Ich sitze auf den Spitalsstufen, rauche eine Zigarette und lasse die letzten Tage vor meinem geistigen Auge vorüberziehen:

Island Dreams, die Reparaturcrew, hat Scheiße gebaut. Buchstäblich. Auf dem Weg von Grenada nach Union entdeckten wir eine Flüssigkeit in der Bootsbilge, die selbst für eine Äquatortaufe ungeeignet wäre. Seifzend schraubte ich die Sichtblende vom Fäkalien-Tank-Compartment. Dann begann ich zu schreien. Ich hörte erst wieder auf, als ich heiser war: Rob, der knieweiche Bootstischler, hatte sich offensichtlich Zugang zum Schott hinter dem Tank verschafft, indem er den Anschlussstutzen der Tankzuleitung entfernt hatte. Dann hatte er die Sichtblende wieder sorgfältig mit 14 Schrauben angebracht und den Stutzen irgendwo als Sondermüll entsorgt. Mit dem Resultat, dass sich der Raum um den Tank mit menschlichen Recyclingprodukten gefüllt hat, die jetzt in die Bilge übergeflossen sind. Und übrigens auch in meine Koje, sprich auf meine Matratze und mein Gepäck.

Die Repartaur dauert drei Stunden, findet in einer Zweimeter-Windsee statt, und jetzt weiss ich, dass ich wirklich seefest bin: Nicht einziges Mal gekotzt. Nur vor der Crew musste ich dann flüchten – die wollte nicht nur meine Arbeitskleidung, sondern auch mich selbst als Sondermüll entsorgen.

Den angeblich professionell reparierten Beamtrog backbord vorne, der währenddessen Wasser in Strömen ins Boot ließ, haben wir dann auf Union in Behandlung genommen: Beam mit dem Fall angehoben, rottes Holz raus, frisches Holz rein, zwei Meter Glasfaser und ein Viertelliter-Epoxi – dicht!

Dass ich dann auf dem Weg zu den Cays so durch war, dass ich statt neben dem Riff über das Riff gefahren bin (Kein Schaden am Boot, aber ein Korallkopf irgendwo beim Baleine-Felsen hat jetzt einen Kopfverband, sorry, liebe Koralle!) war die Kirsche auf dem Schlagobers.

Margarita hat übrigens am Abend vor Markus’ Nierenkolik mit einer Räucherzeremonie versucht, die ösen Geister zu bannen. Hat nicht funktioniert. Der Fluch der Karibik ist einfach stärker.

Ich kehre ins Behandlungszimmer zurück. Der multiple Markus ist jetzt wach, schmerzfrei und wird morgen ausgeflogen. Alles wird gut, denke ich, bis es im Handfunkgerät raschelt: Die Crew, die das Boot zurück nach Union bringen wollte, hat beim Ablegen von der Mooring die nebenan liegende Catana gestreift. Wo denn die Deckungserklärung von Pantaenius ist, bitte?

Äh, Margarita, wenn Ihr morgen heimfliegts – darf ich Eure Räucherstäbchen behalten? Vielleicht krieg ich den Fluch der Karibik klein… – aber… seifz!



2009 7 Jan

Sylvester in den Grenadinen

Von: Michael Lynn um 17:48 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

The Party Union

Cosmos ist der Herr des Wassers. Seine Hollywoodkarriere hat sich irgendwie nicht ergeben, sonst würde er in der zwölften Folge von Lethal Weapon den abgeklärten schwarzen Cop mit der unvorstellbaren Stressresistenz spielen.

Statt dessen trägt er quietschbunte Rastakleidung, stolziert über die Wasserpier von Union Island und sammelt Bündel von Geldscheinen für das begehrte Nass und die ebenso begehrten Stegliegeplätze ab.
Cosmos ist heute bester Laune. Sein Assi auch. Und die Damen bei Zoll und Immigration.
Die ganze Insel Union liegt im Sonnenschein, trägt einen ansteckenden Grinser und wartet auf den Abend. Es ist nämlich der 31. Dezember, und als ich Cosmos frage, wo die Party läuft, streckt er würdevoll den Arm Richtung Strand, beschreibt einen Halbkreis und sagt: „Dea, mon. An dea an ova dea too. Da whole damn island is party, mon!“

Na dann passts ja. Wir legen mit vollen Tanks von der Wasserpier ab und kehren zu unserem Lieblings-Ankerplatz zurück. Er liegt auf eineinhalb Meter Wassertiefe zwischen zwei Inselchen auf dem Riff vor dem Städtchen Clifton. Die eine dieser Inseln ist keine Laune der Natur, sondern ein Geschäftsmodell: Ein findiger Rasta hat sie aus Conch-Schalen und Zement auf das Riff gesetzt, ein Sonnendach darüber gezimmert und eine Bar eröffnet. Über die Jahre konnte man dann zusehen, wie sie Ausbaustufe um Ausbaustufe zu einem putzigen Häuschen wuchs, mit Solarpaneelen drauf, Kühlschrank und Musikanlage drinnen und Bar-Terrasse draußen.

Das ist Happy Island, und mit der „Happy Island“-Bar wurde auch ihr Besitzer immer stattlicher: Heute ist er ein würdiger Mittvierziger, trägt blitzsaubere T-Shirts zur unverzichtbaren Rasta-Mütze und strahlt, ähnlich wie Cosmos, eine gewisse Häuptlingswürde aus.

Wie er auf die Idee mit der Bar auf dem Riff gekommen ist? – „Easy, mon. I was just listening to the damn tourists complaining about the bars on the island: Its too hot, its too dirty, da toilet is terrible… So I went out an did something  dat is all different.”

Uns ist es Recht. Wir heben einen Rum Punch auf Happy Island, lassen mit Rücksicht aufs Abendprogramm und seine körperchemischen Folgen das Dinghy an Bord zurück und besteigen ein Wassertaxi, das uns zu Lambi´s Bar and Restaurant bringt.

Auf dem Programm stehen Steel Band, “All you can eat” und “All you can drink”. Und wisst Ihr was? Genau das haben wir dann auch getan. Irgendwann nach Mitternacht drückt mir ein deutscher Yachtie eine seltsam riechende Zigarette in die Hand. Später stehe ich auf der Pier des Lambi, sehe in der Ferne die Feuerwerksraketen, die auf den Nachbarinseln aufsteigen und bin dankbar für meine Ohren. Wären die nicht da, ich täte im Kreis grinsen.

Happy New Year!