Österreichs Magazin für Segeln, Motorbootfahren und Wassersport




Bitte, ich hab jetzt total über die Schnur gehaut, und es tut mit net amal leid. Es begann nach Sonnenuntergang. Da bin ich, wie jeden Abend, nach getaner Arbeit vom Boatyard rüber in die Rodney Bay Marina gewackelt und hab mich wie fast jeden Abend an der Bar vom Cafe Ole angeklemmt und ein Bier bestellt. Braucht man, wenn man in der Früh die Bootselektrik sortiert, am Vormittag sämtlichen frisch eingetroffenen West Epoxi 406er-Füller aus der Island Water World Chandlery requiriert, über Mittag eine Steuerseilrolle gebaut und den Nachmittag über Rumpf geschliffen hat, mit Staubmaske und Schutzbrille in der prallen Sonne.

Aber kaum war das Bier ausgetrunken, bin ich Hals über Kopf  geflüchtet.  Weil es war nämlich Schokoschnittenabend.

Eine Schokoschnitte müssts  Ihr Euch so vorstellen, liebe LeserInnen: Ein Seelenleben wie eine Schwerkraftfalle, transportiert durch ein Mundwerk wie ein Elektrohobel, umhüllt  von einer Figur wie ein schwarzmetallicfarbener Lamborghini, notdürftig straßentauglich karossiert mit einem zwei Nummern zu kleinen kreischfarbenen Bikini, und bewacht von einer fürs Lebendgewicht etwas untergroßen Puffmutter.

Die Puffmutter mit zwei ausgesuchten Schokoschnitten im Schlepptau war also heut Abend an der Cafe Ole Bar anwesend und ihre Schnitten haben etwas, sagen wir mal, aggressive Werbung fürs Etablissement gemacht. Männerschnitten sozusagen. Und bevor sie engeren Kontakt mit mir gesucht haben, bin ich ins Bosun´s geflüchtet. Das Bosun´s ist eine Bar mit Restaurant und begabtem thailändischen Koch, zwanzig Schritte vom Cafe Ole im Oberstock, und wenn ich mich verwöhnen will, geh ich dorthin und kauf mir ein Curry, weil das können sie.

Und ich wollt mich verwöhnen, weil, wie der legendäre Muskrat (der mitm Kazoo, google him!) damals in Woodstock so inhaltlich korrekt ins Mikro geschrien hat: „There´s always a litle bit of heaven in a desaster area, man!“ Und Katastrophengebiet ist St. Lucia zur Zeit. Aber sowas von. Die Insel ist von Banenenindustrie und Tourismus wassermäßig völlig leergesaugt und taumelt als Trockenzombie durch den Saisonrest. Heute Früh wurde im Radio durchgegeben, dass die Wasserwerke der Insel mit Sonnenuntergang endgültig die Arbeit einstellen, weil das einzige Wasserreservior der Insel endgültig leer ist. Und aus, Maus.

Es war nämlich diese Saison eine ziemlich regenlose Regenzeit in der Karibik. Kaum Hurrikans, die ihren Namen verdienten. Total wenig tropische Depressionen. Und generell viel zu viel schönes Wetter in den Monaten, in denen es wenigsten dreimal am Tag und am besten den ganzen Tag lang regnen sollte. Halt ein typisches El Nino-Jahr, war eh lang nimmer. Aber jetzt isses so weit. Und entsprechend mies steht St. Lucia jetzt, am Anfang der Trockenzeit, da. Mir ist es einerseits Recht, weil die vielen regenlosen Tage das Arbeiten mit Epoxi und Glas ziemlich beschleunigen.

Andererseits: Heut hab ich den ganzen Tag lang Glasfaser geschliffen , und die kleinen Spießchen stecken im Rücken und im Hals und auf der Brust und entlang der Gürtelline und es JUUUUUCKT! Wahnsinn! Und jetzt hätt ich total gern eine zirka eineinhalbstündige Dusche, aber nix is. Als matten Ersatz schleppe ich meinen vorletzten Vorrats-Wassereimer zum Sanitärcontainer, wasche mich aus dem Kübel, hebe den dreckigen Rest für morgen auf und nach dem Abtrocknen juckts noch immer, und jetzt wird es Zeit für einen mentalen Ausgleich, sonst hau ich den ganzen Mist hin und flieg heim.

Der mentale Ausgleich war dann ein würdiges Sirloin Steak, medium to rare, mit einer leichten Pfeffersoße und zwei Gläsern chilenischem, aber trotzdem passablem Cabernet als Begleitung.

Seltsam und denkwürdig: Kaum betritt eine tote Kuh meinen Verdauungstrakt, überwältigt mich kosmische, universelle Liebe. Zu allem und jedem. Ich umarme sie alle. Die Glasspieße in meinem Rücken, die zerbröckelnde Hornhaut an meinen Fußsohlen, die praktisch unzerstörbare schwarzgraue Epoxidharz-Schleifstaub-Dreckmischung unter und auf meinen Fingernägeln, diese, bei Lukullus!, nicht umsonst verblichene Kuh in meinem Magen, die vergorenen Trauben, die mir langsam zu Kopf steigen,  die zuckersüße Kellnerin mit dem Breitspurarsch – und sogar die professionellen  Schokoschnitten, weil schließlich haben sie mich hierher vertrieben.

Naja. Muss wohl der Wein sein, normal bin ich gar net so rührselig.

Ich zahle umgerechnet 20 Euro, steige auf mein schlechtes Gewissen drauf und drehe die Ferse um, bis es sich nicht mehr rührt, und wackle in einem leichten Kreuzkurs heim zu meinem Boot. Es steht endlich wieder im Flutlicht, weil das war eine Woche lang aus. Aber jetzt kann ich endlich wieder nach Sonnenuntergang Glasmatte verlegen und das ist gut, weil im hellen Sonnenschein ist das Epoxi zu schnell für solche Sachen.

Und unterm Boot wartet Sheba, die Ex-Schwester. Weil Charlene, Langhaarkatze Nummer 2, ist seit einer Woche abgängig. Entweder hat sie sich unter ein Auto gehaut – oder sie hat einen Rasta-Kater getroffen und ihr Herz verloren. Jedenfalls: Sheba ist jetzt allein und irritiert. Und ich klemm sie untern Arm, trage sie die Leiter rauf an Bord, und während ich diesen Blog schreibe, sitzt sie neben mir und schickt Euch allen ein karibisches „Schnurr!“

Mother Ocean schickt Euch auch ein “schnurr!”, weil ihr geht’s immer besser. Sie hat jetzt wieder ein komplettes Deck, ab morgen eine komplett funktionierende Elektrik und ab kommenden Sonntag rundum gesunde Beamtröge. Mag net irgendwer auf Ostertörn kommen? Weil eine Abschiedstournee zu meinen Lieblingsplätzen wär schon standesgemäß, aber die fahr ich nur, wenn wer chartert. Was ist mit Dir? Tobago Cays? Das Frangipani in Bequia? Die Wallilabou in Vincent? Boiling Lake und Indian River in Dominica? Hmmm? Mail michael.lynn@chello.at – MAIL JETZ T AN!

Übrigens: Eigetlich hätt ich jetzt gern paar Fotos angehängt. aber 200 kb maximal?


Mother Ocean im Advent 09: Ausbanlt!

Mother Ocean im Advent 09: Ausbanlt!

Mother Ocean um die Jahreswende: Gerippt...

Mother Ocean um die Jahreswende: Gerippt...

Mother Ocean im Jänner: Durchlüftet...

Mother Ocean im Jänner: Durchlüftet...

Der Bröthaler in der Arbeitspause: Waglhund mit Piton-Bier.

Der Bröthaler in der Arbeitspause: Waglhund mit Piton-Bier.

Mother Ocean gegen Ende Jänner: Wieder ein Boot!

Mother Ocean gegen Ende Jänner: Wieder ein Boot!

Panik vorm Torschluss: Eine BEamrestaurierung in 24 Stunden...

Panik vorm Torschluss: Eine BEamrestaurierung in 24 Stunden...

Das geht net allein: Zusammenbau, bevor der Bröthi heimfliegt.

Das geht net allein: Zusammenbau, bevor der Bröthi heimfliegt.

Unter diesem Vollmond könnte man Zeitung lesen. Ich  sitze ich auf meiner Werkzeugkiste und kraule Charlenes virbrierenden Bauch. Ihre Schwester sitzt drei Meter weiter auf dem Boden und macht Zickenterror.

Nein, das wird kein Karibikporno, geschätzte Leserin, verehrter Leser:

Charlene und Sheba sind die offiziellen Boatyard-Katzen von Rodney Bay. Sie gehören der theoretischen Chefin der theoretischen Boatyard-Bar. Theoretisch, weil die Bar zwar schon steht, aber die Chefin und das Boatyard-Management seit Monaten über die finanziellen Rahmenbedingungen verhandeln. Das ist lästig für mich, weil mir das Abendbier jedesmal einen halben Kilometer Fußmarsch abverlangt. Und lästig für Charlene und Sheba, die sich im Boatyard mopsen und jeden Abend maunzend zu mir kommen, um sich ihre Krauleinheiten abzuholen.

Ich kraule Shebas vibrierenden Bauch und zünde mir mit Riannas Feuerzeug eine Zigarette an. Rianna ist keine Langhaarkatze. Oder eigentlich irgendwie doch. Und blond! Aber sowas von! Heute Abend beim Sundowner setzte sie sich neben mich, grinste mich an und nahm mir den Aschenbecher weg. Das mit dem Grinsen wär schon in Ordnung gewesen, aber den Aschenbecher hätt ich doch gern… – naja.

Ich mache eine halbe Stunde Smalltalk kurz: Rianna ist seit sieben Monaten als Köchin auf einer kleinen Charteryacht unterwegs, erzählt sie. Wie klein, frage ich. 68 Fuß, sagt sie. Ah.. ja. In der Tat. Wir reden ein bisserl über das Leben als Charterknecht und wie unfair es ist, dass ihr der Käptn immer die Zigaretten wegraucht.

Dann springt sie plötzlich vom Barhocker, sagt etwas atemlos „Just a moment!“ und eilt im Laufschritt davon. Ihren Tequila Sunrise und ihr Feuerzeug lässt sie da. Als sie zwei Bier später noch immer nicht zurück ist, denke ich  kurz nach, ob ich was Falsches gesagt habe. Ich mein, verwunderlich wärs nicht.

Weil seit zwei Monaten bin ich von Beruf Holzwurm und vom Erscheinungsbild her Epoxid-Model:  Das da in meinem ergrauten Haar sind keine Rastazopferln , das sind Spuren von Kontakt mit frisch eingelassenen Bordwänden und Stringern.

Es ist nämlich so: Der Bröthaler und ich haben anzaht wie die Wagelhund. Eine Woche, nachdem die Mother Ocean an Land abgesetzt war, stand im Schatten zwischen den Rümpfen eine kleine, feine Werkstätte, komplett mit selbst gezimmertem Arbeitstisch. Knapp vor Weihnachten war der hinterste Beam samt den Stehern für die Solaranlage demontiert und alles, was im Backbordhack rott war, rausoperiert, und bitte, das heisst alles bis auf den Steven und die äußere Bordwand.

Drei Wochen später war alles wieder neu und drinnen – 48 Teile hab ich gezählt von den Stringern über die Buttblocks bis zu den Bordwänden. Dann wars Zeit für den Bröthaler, heimzufliegen und in der letzten Woche seines Hierseins haben wir nimmer viel geredet, weil alles ein bisserl atemlos wurde: Einen Beam einsetzen und eine Solaranlage montieren geht nämlich echt nur zu zweit.

Am Panikpunkt waren wir Montag, als wir draufkamen, dass der hintere Beam auch eine großflächige Amputation braucht: Ein Drittel der Substanz flog raus, weil mürbe, und war binnen 24 Stunden durch frisches Holz ersetzt, zurecht geschliffen, eingelassen und am Mittwoch haben wir den Beam eingebaut und die Solaranlage aufgesetzt. Donnerstag hab ich den Bröthaler dann in den Flieger gepackt und jetzt sitzt er daheim, friert sich den Hintern ab und bereitet die Bootsmesse in Tulln vor.

Und ich – ich mach allein weiter und abgesehen von den vielen Neugierigen, die jeden Tag vor dem Boot stehen und mehr oder weniger sachgerechte Fragen stellen, und abgesehen von den Marinahacklern, die gelegentlich zu mir kommen, um sich Werkzeug auszuborgen, und abgesehen vom Boatyard-Boss, der mir immer öfter unverhohlene Avancen macht, doch meine Existenz nach St. Lucia zu verlegen und der Boatyard-Tischler zu werden, hab ich wenig Ansprache. Außer halt Charlene und Sheba.

Könnt also sein, dass ich schon langsam ein bissl kommunikationsschwach werde. Oder vielleicht angefangen habe,  zu sagen, was ich mir wirklich denke – und das, ohne es zu merken.

Rianna kam jedenfalls nicht mehr zurück, und das macht eigentlich überhaupt nix. Ich hätt eh nix Konkretes von ihr wollen. Im Gegenteil, ihr plötzlicher Aufbruch war bereichernd. Weil erstens hab ich meinen Aschenbecher jetzt wieder für mich. Und zweitens – ihr Feuerzeug hab ich eingesteckt.

Nachsatz: Diesen Wandbrief hab ich gestern Nacht dann nicht mehr abgeschickt, und gut wars, weil heute Früh sah ich Rianna wieder, auf dem Vorplatz der Marina. In hautengem Kontakt mit dem offensichtlichen Grund ihres gestrigen plötzlichen Aufbruches: Geschätzte 25, Unterhosenmodelfigur, rabenschwarze Haut, wilde Rastalocken, und eine klodeckelgroße Hand auf Riannas Hintern. Sie hat, was sie braucht. Ich auch. Ihr Feuerzeug. Meines war grade am Eingehen.

Das Leben ist O.K., schätze ich. Nur das Epoxi in den Haaren, das macht mich echt narrisch.



Wenn man über Wochen auf einem umzäunten Bootsstellplatz vor sich holzwurmt, ist der Lagerkoller nur eine Frage der Zeit. Uns erwischte es zu Sylvester. Den 31. hatten wir noch in Ehren rübergebogen, geparkt in einer kleinen, ausschließlich von Einheimischen frequentierten Bar, die über ein Dinghydock in der Einfahrt von Rodney Bay erreichbar ist. Feuerwerk, Rum Punch mit mächtigem Bizepts, jeder zweite Drink gratis – so lässt sichs doch eigentlich aushalten, oder?

Aber am 1. Jänner waren alle Rolladen in Rodney herunten, die Gehsteige waren hochgeklappt, in der Marina sagten sich die Füchse gute Nacht, und am Boatyard waren der Raini und ich die einzigen lebenden Wesen, wenn man mal von den drei rachitischen Inventarhunden absieht.

Es war der Reini, der mich dann sanft, aber nachdrücklich aus dem Tor geschubst hat. Weil ich hätte resigniert. Aber er hat sich glatt eingebildet, irgendwo muss irgendwas offen sein, ganz felsenfest sicher.  Und falls wer glaubt, genau so war es auch… – naja, genau so war es auch.

Vorm Boatyard trafen wir einen Kauz, und er nahm uns unter die Fittiche, und als wir uns bekannt machten, sagte er, sein Name sei Artiste.

Artiste ist vermutlich geborener Franzose, sprich holprig Englisch, fließend Creole, ganz gut Spanisch, bissl Italienisch und offenbar noch ein paar Sprachen aus Gegenden, die  Du und ich nur vom Hörensagen kennen.  Nach eigenen Angaben ist er 71. Ausschauen tut er wie fünfzig Plus und in einer milde einsturzgefährdeten Eingeborenenhütte in Gros Islet schreibt er an seinen Memoiren.

Artiste führt uns zum freitäglichen Straßenfest von Gros Islet und wir sind gerettet: Auf der zentralen Straßenkreuzung des Dorfes röhrt progressiver Reggae aus mannshohen Lautsprechern, runherum brutzeln frisch verstorbene Nutztiere auf selbst geschweißten Holzkohlengrillern, und ganz gleich ob nachtschwarz oder kasweiß – hier und heute Abend sind alle Menschen Brüder.

Artiste lebt seit 20 Jahren hier im Dorf, sagt er. Und er erzählt uns, wie es kam, dass knapp 100 Schritte vom fashionablen Rodney Bay ein karibisches Dorf in einer Zeitkapsel überlebt hat: Gegründet wurde die Ansiedlung zur napoleonischen Zeit, nämlich als die kreolische Franzosenkaiserin Josephine beschloss, die in ihrer Heimat Martinique von den Jakobinern abgeschaffte Sklaverei wieder einzuführen. Damals schwappte eine veritable Flüchtlingswelle über die St. Lucia-Strasse, und die Exilanten aus Martinique ließen sich am Rand der Rodney Bay nieder, bauten Holzhütten, nannten das Dorf Gros Islet und lebten fortan frei und in Frieden in St. Lucia.

Dann kamen die Yachten und die Investoren und die Marina in Rodney Bay – und für Gros Islet war das keine gute Nachricht: Die Brücke, die das Dorf mit dem Rest von St. Lucia verband, wurde abgerissen. Die ersatzweise angelegte neue Straße machte einen Bogen um Gros Islet – und das Dorf verkam zum Ghetto, explodierenden Drogenkonsum und ausufernde Kriminalität inklusive. Und für den Abriss der mittlerweile 150 Jahre alten Hütten und einen schmucken Neubau in zeitgemäßem, gesichtslosem Beton hatte einfach niemand das Geld.

Und so kam es, dass Gros Islet, in den letzten Jahren von einem klugen und tatkräftigen Bürgermeister durch Initiativen wie das freitägliche Straßenfest sozial saniert, über weite Strecken noch heute aussieht wie die Karibik, die wir aus alten Filmen kennen.

So erzählt Artiste und vergisst nicht, zu sagen, dass Gros Islet gefährlich ist: „It is dangerous, my friend: You go there, you fall in love with it, and you stay and you never go back. Verrry dangerous!”

Überm dritten Bier erzählt Artiste dann, was er getrieben hat, bevor er in Gros Islet sesshaft wurde: Vom Horror des Algerienkrieges, den er als blutjunger Bursch mitgemacht hat, von Arabien, Guatemala, Kanada, wo seine Kinder leben… – „It was simple: I went to all the places where no one would go, did all the jobs nobody wanted, and met the most wonderful people everywhere in the world.”

Es war der unterhaltsamste Abend, seit wir hier angekommen sind. Und wenn Artiste seine Memoiren herausbringt, dürften sie Pflichtlektüre sein. Merci, Artiste! Its good to know  you!


Früh am Morgen, beim ersten Kaffe, ging die Mother in Rodney an Land...

Früh am Morgen, beim ersten Kaffee, ging die Mother in Rodney an Land...

...und dann ging ich ihr an die Eingeweide: Keine Dinghygarage, nein...

...und dann ging ich ihr an die Eingeweide: Keine Dinghygarage, nein...

...eine megafette Baustelle vielmehr. Den ganzen Tag gibts Weihnachtssägen...

...eine megafette Baustelle vielmehr. Den ganzen Tag gibts Weihnachtssägen...

...und Abends, nach ein paar Bier, schreibe ich Wandbriefe - und was sonst noch anliegt.

...und Abends, nach ein paar Bier, schreibe ich Wandbriefe - und was sonst noch anliegt.

Gestern Nacht kam eine Katze aus meinem Rumpf gehüpft.

Ja, eine richtige, lebendige Katze. Ehrenwort.

Nein, ich bin stocknüchtern. Und Sonnenstich hab ich auch keinen. Und soooo durchgeknallt bin ich auch nicht. Die Katze war wirklich da, Pfadfinderehrenwort.

Ich kam grad vom Sanitärcontainer, Mitternacht wars wohl, denkend an dies und das, und grad als ich unterm Flutlichtmast die Leiter aufs Boot erklimmen wollte – husch! – sprang sie aus dem Rumpf. Durchs Loch. Ja, dieses: Das Loch, über das ich mindestens einmal am Tag einen debilen Witz zu hören kriege. Zum Beispiel, ob wir eine Dinghygarage bauen, fragte ein fürs Lebendgewicht untergoßer amerikanischer Skipper, hardeharharr!

Dighygarage! Hat sich was! Ich arbeite das Erbe von Rob, dem durchgeknallten Bootstischler, auf. Er hat mir unter Anleitung seines imaginären Sechsmeterhasen ein paar Wasserfallen ins Backbordheck laminiert. Jetzt schneide ich sie seufzend auf, lasse das stinkende, faulige Wasser raus rinnen.  Und säge rundherum das stinkende, rotte Holz raus. Es ist ein echtes Weihnachtssägen, wirklich wahr!

Synchron dazu schießen der Bröthi und ich kreuz und quer über die Insel, auf der Suche nach dem Material, das wir dann demnächst wieder reintun werden: Bootsbausperrholz, Stringerholz, Matte, Harz… – gibt’s nicht in der Karibik? Doch, doch, gibt´s. Man muss nur die richtigen Leute fragen und den richtigen Text reden.

Fünf Platten erstklassiges Bootsbausperrholz hatte ich mir schon gesichert, als die Mother  noch halbert im Kran hing. Die Island Water World-Filiale in der Rodney Marina hatte sie lagernd. Ich zahlte auf der Stelle und verließ den Laden mit der Anweisung, die Platten mit Stacheldraht, Landminen und Laseralarm zu sichern, bis ich sie holen komme.

Stringerholz war nicht ganz so einfach, aber der Boss von Island Water World hatte dann irgendwann ein Erbarmen, klemmte sich ans Telefon und klingelte die ganze Insel durch, bis er eine Adresse hatte. Die Adresse entpuppte sich als Schuppen in den Hügeln über der Hauptstadt, randvoll mit jeder Art von Tropenholz, die Gott verboten hat, und einem Rasta, der mich ins Herz schloss und Witzbeträge für eine Pickupladung Holz verrechnete.

Dann bauten wir uns aus Staffeln und Billigsperrholz vom örtlichen Baumarkt unterm Kat einen Arbeitstisch im Schatten und eröffneten unser privates Kleinsägewerk: Während ich den Rumpf ausschachtete, schnittt der Bröthi im Akkord 2×5 cm-Leisten für neue Stringer. Und jetzt ist Feierabend. Am 2. Weihnachtsfeiertag. Irgendwo spielt eine Reggaeband. Der Passat weht übers Deck. Und durchs Loch im Backbordheck. Unterm Boot liegen 30 Meter Stringer. Und morgen fangen wir mit dem Einbau an.

Und davon wird dann der nächste Blog handeln. Und bevors zu spät ist, attache ich hier noch ein paar Baustellenbilder. Damit net irgendwer glaubt, wir sind hier auf Urlaub, gell?



Vor einem Jahr hab ich einen Blog über Rodney Bay geschrieben und war dabei ein bisserl unnett, weil mich der viele Beton gestört hat, den man hier übers karibische Flair gegossen hatte.

Darf ich ziemlich viel vom Gesagten zurücknehmen? Weil… – ich hab das Paradies des arbeitenden Seglers gefunden: Mother Ocean schwebte am überbreiten Torkran aus dem Wasser, steht jetzt gut durch den Passatwind durchlüftet direkt unter einem Flutlichtmast im Boatyard aufgepallt, mit ansprechendem Panoramablick auf die Rodney Bay Marina, über der ein veritabler Wald von Salingflaggen flattert, weil die ARC-Flotte hier ihre Atlantiküberquerung feiert. Und rund um mich wuselt bienengleich eine Marinero-Truppe, die um jedes kroatische, türkische oder italienische Marina-Team Kreise laufen würde, weswegen auch jeder Krantermermin hält, ist ja Ehrensache. Draußen vorm Zaun geht’s schräg über die Hauptstraße in einen passabel bestückten Baumarkt, 500 Meter Dinghyritt bringen mich zu einem engagierten Schiffsausrüster und den Schiffsbauholztandler der Insel hab ich auch schon gefunden. Und die beste Nachricht von allen: Verrechnet wird analog zum US-Dollarkurs. Wie rief der zahnlose Muskrat damals in Woodstock ins Mikro? „There´s always a little bit of heaven in a desaster area, man!“

Kontakt hatten wir auch schon, aber so was von.  Zuerst trafen wir die gelöcherten Finnen. Sie humpelten direkt nach uns ins Kranbecken des Rodney Bay Boatyard und ließen ihre schmucke blaue Yacht an Land heben, weil nämlich unterwegs auf dem Atlantik ein Seeventil versucht hat, das Boot während der Fahrt zu verlassen. Dann standen die vier finnischen Kids  ein paar Stunden lang verloren um ihre aufgepallte Yacht, während die Reparaturtruppe im Akkordtempo das Problem behob. Die löchrigen Finnen waren dann auch tatsächlich wieder dicht und zurück im Wasser, bevor das Wochenende ausbrach. Wenig später brachen sie auf nach Süden, den Tobago Keys und Grenada entgegen. Fair winds, folks!

Und dann war da der Michael. Der Michael ist aus Wien und kam per Kojencharter mit dem ARC hierher. Auf einem deutschen Schiff.  Dass er den Bröthi und mich im Bread Basket traf, war für ihn wie heimkommen. Der Meinungsaustausch verlief entsprechend angeregt, begann gegen Mittag und endete gegen Mitternacht auf der Mother Ocean, weil nämlich der Kühschrank leer gesoffen war. Der Bröthi hat dann ein bisserl Probleme gehabt, den Michael per Dinghy auf seine Yacht zu fahren, weil der Michael nämlich ein bisserl Probleme hatte, seine heimatliche Yacht zu identifizieren. Macht nix, weil ich hatte derweil ein bisserl Probleme, mein Bett zu finden, aber irgendwie klappte es dann doch.

Ein milder Passat weht durch meine Koje. Aus der Marina klingt der Sound der umpfundzwanzigsten ARC-Party herüber. Und während ich im Geiste Werkzeug- und Materiallisten durchgehe, dämmere ich langsam in den Schlaf hinüber. Doch in Ordnung, die neue Rodney Bay. Besonders, wenn man einen Wharram zu reparieren hat. Und wie das geht, darüber schreib ich mehr im nächsten Blog.



Ich liebe die Sonne. Die Sonne ist meine beste Freundin. Die Sonne hat mich gern und ich sie. Und überhaupt – Sonnenbrand, was ist das? Dachte ich.

 

Und deshalb hab ich dem Bröthaler Raini gesagt, dass er sich schleichen soll. Nein, nicht vom fahrenden Boot. Einfach nur in den Schatten. Weil diese Sonne verträgt halt net jeder, aber ich? Ich pack das schon, am Steuer sitzen, hier in der Sonne. Überhaupt kein… äh… kein… Dings…äh… – aber wart amal, ich bind mir noch rasch ein T-Shirt als Turban um, ja?

 

Es war dann unvorstellbar brutal. Am Samstagnachmittag waren wir in Guadeloupe angekommen und hatten dann den Sonntag und den besseren Teil des Montags damit verbracht, die Mother Ocean seeklar zu machen.

 

Am Dienstag beim ersten Büchsenlicht liefen wir dann aus. Ich hab übrigens hoch und heilig versprochen, dass ich nicht erzähle, wie wir die erste Untiefentonne an der Ausfahrt beinah verkehrt herum genommen hätten, und deshalb tue ich es auch nicht. Ein Mann, ein Wort.

 

Jedenfalls: Eine Stunde lief der Aussenborder, dann zogen wir die weiße Wäsche auf und stellten ihn ab. Für den Rest der Reise. Bis zur Einfahrt von Rodney Bay. Weil der Wind, Leute, der war ein Traum: Stetige vier Beaufort aus Ost, kuschelige eineinhalb Meter Welle in den Pässen, und die Windlöcher hinter den Inseln haben wir auch mit Anstand durchsegelt.

 

Nur die Sonne… also die Sonne… – am ersten Tag lösten wir einander so alle vier Stunden ab. Die Nacht war auch kein Problem. Aber am zweiten Morgen, so gegen zehne, da hätte der Raini nur mehr an Backbord sitzen dürfen, so rot hat er geleuchtet, und bei mir hat die Haut auch ein Wengerl gespannt, aber kein Problem, ich fahr das. Ich hatte nur ein wenig Schwierigkeiten, was zu sehen, weil die Reflexe auf den Wellen geblendet haben wie die Suchscheinwerfer, und wenn man einen Köperteil zu lange unbewegt gehalten hat, hat es scheußlich wehzutun angefangen. Aber kein Problem.

 

Nach Sonnenuntergang war dann irgendwo bei Castries Landfall in St.Lucia, dann liefen wir nach einer genialen Wende bis vor die Haustür in Rodney Bay, vermieden es grad knapp, uns von einer Segelyacht zusammenfahren zu lassen, die ohne einen einzigen Mann an Deck mit Steuerbordschoten aus der Dunkelheit vor unseren Bug lief – und dann waren wir glücklich in Rodney vor Anker. Und alles war in Ordnung. Dachte ich. Bei den drei standesgemäßen Einlaufbieren dachte ich es. Am nächsten Morgen dachte ich es immer noch, als wir mit den Schiffspapieren untern Arm ins Schlauchboot stiegen und zum Einklarieren in die Marina rollten. Aber als ich dann – pardon! – aufs Häusel ging, dachte ich es nimmer, denn was mir aus dem Spiegel entgegenstarrte, war…naja… Lepra? Oder sowas? Oder noch was Schlimmeres? Und: Isses ansteckend??? Jedenfalls: Unter einer tief gebräunten Haut, die sich gerade in Fetzen vom Gesicht löste, blitzte frisches, aber auch net grad gesund aussehendes Rosa auf.

 

Offenbar war mein Gesicht während der 36 Stunden auf See unter Sonneneinwirkung gestorben und jetzt wuchs mir ein Neues nach. Was es wohl werden würde? Bitte um Gottes Willen nicht Tom Cruise, lieber wär ich tot. Ich meine, mit Sean Connery oder George Clooney könnt ich leben, aber… – naja.

 

Ich ersuche die geneigten LeserInnen, in dieser Hinsicht ganz fest Daumen zu halten, bis ich mich wieder melde – dann mit einem Bericht von einem schwebenden Wahrram, vier gelöcherten Finnen und einem Kanonenrausch unter Landsleuten. See you, mon, Jah Rastafari willing – and I shall hope he is willing!



Es sollte ein kurzer Abschied werden – und es wurde ein halbes Jahr daraus: Mother Ocean parkte in in der Bas-du-Fort Marina in Guadeloupe. Ihr Skipper kittete derweil in Wien die Scherben seines Brotberufs. Und wären da nicht ein paar Gute – er sitzert im Dezember auch noch da….
Mein Laptop hat ein bissl Reisefieber. Irgendwo auf seiner Festplatte rotiert die Buchungsbestätigung für einen Air France-Flug nach Guadeloupe. Seine Speicher füllen sich mit Projekten, Adressen und Notizen, denn ich sperre meine Textproduktion nicht zu. Ich arbeite nur für die nächsten Wochen unter Palmen.
Bitte, falls wer denkt, das tät er oder sie auch gern: Leute, das wird kein Urlaub. Und das sag nicht ich. Das sagt Chris Kessell. Kennt hier keiner? Gut: Chris schaut aus wie ein Bankkassier, arbeitet wie eine Maschine und sieht wie ein Röntgenapparat. Gut so, denn er ist Surveyor, also Bootssachverständiger.
Ich hab ihn letzten Winter in St. Lucia engagiert, um die Reparaturarbeiten von Island Dreams zu beurteilen. Beim zwölften „Oh, shit!“ hörte ich auf zu zählen. Jedenfalls: In der Karibik kann ich, so wie Mother Ocean beinander ist, gern herumsegeln, sagte Chris. Aber über den Atlantik? „If a storm wave hits, you might lose the stern of the port hull“, sagte er. Bitte, er sagte „lose“! Mag wer dabei sein, wenn ein Wharram das Heck vom Backbordrumpf abwirft? Mitten auf dem Ozean? Ich eigentlich nicht.
Also packe ich jetzt 20 Kilo Werkzeug ein, fliege nach Guadeloupe, segle auf Filzpatschen nach St. Lucia, hebe die Mother in der Rodney Bay raus und tausche im Backbordheck zwei Schotten, eine Längswand und das Deck aus. Falls sich das jemand bildlich vorstellen möchte: Zwangsarbeit in einer chinesischen Kohlenmine ist eine passable Annäherung. Du kriechst bei 40 Grad und mehr durch einen engen Schlauch und raufst mit dem Material. Nur dass der Staub nicht Kohle ist, sondern Holz, Epoxi und Glas. Reimt sich auf Spaß? Reiner Zufall, keine Absicht. Zur Erholung mache ich dann am Abend meinen angestammten Job.
Dass ich nicht reparieren lasse, sondern selber repariere, hat erstens mit meiner erworbenen Phobie vor allen Arten von karibischen Dienstleistungen zu tun. Und zweitens mit dem Loch auf meinem Konto: Als ich im März aus der Karibik heimkam, war mein langjähriger größter Kunde nicht mehr da. Zugesperrt. Aus, Maus. Umsatzprognose mit einem Schlag halbiert. Den Rest vom Jahr verbrachte ich damit, in einer Szene, in der die Irren die Anstalt übernommen hatten, mein Geschäft wieder aufzubauen. Vor 15 Monaten lebten wir alle vom Kapitalismus. Jetzt heißt er Kaputtalismus und von dem zu leben ist ein hartes Brot. Aber echt.
Naja. Ich hab auch das überstanden. Und wenn ich in drei Monaten hier im Blog vermelden kann, dass die Mother wieder ein wirklich ozeantüchtiges Boot ist, verdanke ich es ein paar Guten, denen ich diese Zeilen ganz persönlich widmen möchte.
Da ist einmal die Elisabeth Koschier, die seit zehn Jahren mein Leben teilt und prinzipiell keine Bäume aufstellt, außer um mit ihnen mein Rückgrat zu stärken. Aufgeben tut sie allenfalls Briefe. Von mir erwartet sie das Selbe. Und das ist eine gute Motivation. Danke, Liebste. Dass Du mir jede Reise leicht machst, macht jeden Abschied um so schwerer.
Dann wär da der Bröthaler Raimund. Ich lernte ihn diesen Sommer bei TurnOn kennen, als er gerade das 12. Ankermanöver des Tages dirigierte. Nicht auf seinem eigenen Schiff, sondern auf einem von jenen, deren Skipper kein Händchen für das Ankern in durchwühltem Schlammgrund hatte. Mitten im Manöver teilte man ihm per Funk mit, dass auf seiner Yacht das Bordklo streikt.
„Kennst Du Dich mit Häusln aus?“ fragte er mich. „Jabsco?“ – „Jabsco!“ – „Schwarzer Griff oder grauer Griff?“ – „Grau.“ – „Fünf Minuten.“
Ich brauchte dann doch zehn Minuten, weil die Dichtung eigentlich reif für den Vorruhestand war. Aber als der Bröthaler an Bord kam, war das Klo wieder nominal. Und ich hatte nicht nur das Match mit dem Material gewonnen, sondern auch einen Freund. Ich erzählte ihm überm zweiten Bier von der Mother, Ihrem Heck und meinem kommenden karibischen Abenteuer. „Wennst wen brauchst, der mithilft – im Winter hab ich Zeit“, sagte er. Und falls wer denkt, eine solche Ansage hält… – hat er Recht. Der Bröthi fliegt mit und teilt im Dezember und Jänner meinen privaten Gulag. Danke, Mann.
Und obwohl ich jetzt eigentlich zum Schlusse eilen möchte, weil ich noch irrsinnig viel um die Ohren hab, bevor der Flieger geht: Den Zdenko Bedek darf ich also wirklich nicht auslassen, denn der ist für alle künftigen Zeiten mein liebster Herzchirurg.
Nein, Kasperl hatte ich noch keinen, nicht erschrecken bitte. Aber ich hab im Zuge der Arbeiten eine motorische Herztransplantation an meinem Boot vor. Es ist nämlich so, dass ich kein mutiger Kapitän bin, sondern ein alter Kapitän werden will. Das Eine schließt das Andere bekanntlich aus. Und mir fehlt einfach der nötige Mut, um auf dem geplanten Transat im Mai ein paar hundert Liter Benzin für meine Außenborder mitzuführen.

Ich hab mir also einen Diesel-Außenborder gefunden. 80 Kilo Lebendgewicht, Alter unbekannt, Mutter bei der Geburt verstorben, Vater wahrscheinlich in Surabaya verschollen. Oder so. War in Deutschland inseriert, das Ding. Ich bin hingefahren – und war auf den ersten Blick verliebt: Keine Elektronik. Keine Chips. Keine Schaltkreise. Ein Aggregat von der berückenden Einfachheit eines Ölofens. Und um Peanuts wohlfeil.
Ich hab ihn eingepackt, bin heim gefahren und hab jemanden gesucht, der das Ding einmal zerlegt und so wieder zusammenbaut, dass es nochmal für ein paar tausend Meilen gut ist. Bedek Boote hat das Projekt geschultert. Kennt man als Segler eigentlich nicht, die Firma, weil sie hauptsächlich die Motorboote der Donaufans catert. Aber das Kennenlernen lohnt sich, denn der Herr Bedek ist ein Bedächtiger, ein Gescheiter – und ein exzellenter Handwerker. Wo Kollegen wegen akutem Ersatzteilmangel das Hangerl geworfen hätten, hat er sich reingekniet und notfalls Teile nachproduziert. Jetzt rennt der Diesel wie ein Glöckerl – und wenn der Punkt erreicht sein wird, an dem ein Ende der Reparatur absehbar ist, speditier ich ihn nach Martinique und installiere ihn.
Aber das ist noch ein paar anstrengende Monate weit weg. Ich wollt nur auch dem Zdenko Bedek danke sagen, bevor ich für heute zudreh. Der nächste Blog kommt schon aus Guadeloupe. Und der übernächste hoffentlich aus St. Lucia.
See you, Folks – und wenn Ihr Daumen frei habts, haltet sie bitte!



2009 2 Mrz

Air Suzette

Von: Michael Lynn um 16:09 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Ein Kommentar

Der 14. Wharram Wanderbrief, verfasst auf dem Weg nach Wien

Und das verdanken wir Madame Suzette …

Der Hemingway Ernest hat uns bleibend Wertvolles hinterlassen: Hoch wirksame Getränkerezepte, jahrzehntelang haltbare Lokaltipps – und die endgültige Benimmregel für Aktivurlaube bei spanischen Guerillakämpfern: “Give the men tobacco and leave the women alone.”

Lang her, irgendwie: Heutzutage verordnet der Gesundheitsminister selbst in verschwiegenen Bar-Hinterzimmern strengstes Rauchverbot. Und sobald der/die ambitionierte AnarchistIn SätzInnen wie den/die obige/n korrekt gender-mainstreamt, wird sein/Ihr LebIn sowieso sinnlos. Wohl auch deshalb haben Anarching und Untergrundkämpfing EU-weit ihre Bedeutung als Trendsportarten eingebüßt.

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2009 19 Feb

Fluch der Karibik, Part II

Von: Michael Lynn um 6:00 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

Tränengas im Passatwind
Der 13. Wharram Wanderbrief, verfasst in der zur Zeit ein bisserl belagerten Bas du Fort Marina in Guadeloupe und verschickt über das W-Lan der Le Pirate Bar: Danke fürs Offenhalten in Krisenzeiten, liebe Piraten!

Der Mihl (Anmerkung für Nichtkärntner: Als „Mi-Hl“ auszusprechen!) kam längsseits, kaum dass unser Eisen vor Bourg de Saintes gefallen war: Er ist Kärntner, Kateigner, seit zwei Jahren in der Karibik unterwegs und ankert seit zwei Wochen hier in den Saintes.

Er macht sein Dinghy an der Klampe der Mother Ocean fest, sagt gerne ja zu einem eiskalten Bier, auch wenns kein Schleppe ist, und gibt uns einen kenntnisreichen Situationsüberblick.

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2009 18 Feb

Stairway to Hell

Von: Michael Lynn um 9:53 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | Trackback | Keine Kommentare

Der zwölfte Wharram Wanderbrief, verfasst vor Anker bei der Purple Turtle Bar in der Prince Rupert Bay, Dominica, wo das Internet 10 US-Dollar am Tag kostet, aber die Funkwolke bis zum Ankerplatz reicht.

So lässt sichs leben!

Alsdern – Dominica… – strahlend weiße Sandstrände? So gut wie keine. Türkisgrünes Wasser hinter freundlichen Korallenriffs? So gut wie keines. Gründe, trotzdem wieder herzusegeln? Ein paar Dutzend, und jeder einzelne ist überzeugend.

Fangen wir beim Zoll an: Einklariert wird durch das Ausfüllen zweier Formulare vor einer Amtstür, hinter der schallendes Gelächter hervordringt. Drinnen sitzen vier Uniformierte, tippeln Karten und wärmen sich mit passenden Getränken für den beginnenden Karneval auf, wie mir der Amtsleiter verrät. Und während er meine Papiere abstempelt, verrät er mir, dass ich gleich auch ausklariert bin – gern geschehen und noch einen schönen Aufenthalt!

Das ist die erste Begegnung mit der hier herrschenden, für karibische Verhältnisse wirklich außergewöhnlich zuvorkommenden Höflichkeit, mit der wir Weißbrote behandelt werden – und zwar von der Supermarktkasse bis zur Wasserpier und von der Polizistin bis zum Boatboy.

Ah ja – Boatboy! Meet Harrison: Er kommt lächelnd längsseits, stellt sich höflich vor, nimmt freundlich zu Kenntnis, dass wir keine Muringboje benötigen – und verrät uns gratis einen guten Ankerplatz. Und dann schlägt er uns für den nächsten Tag ein paar mögliche Touren vor. Victoria Falls zum Beispiel. Oder den Hatscher zum Boiling Lake.

Es ist nämlich so, dass auf Dominica die echten Sehenswürdigkeit im Hinterland warten. Und zu den spektakulärsten führt bestenfalls ein Fußpfad. Sicher keine Autostrasse.

Karin, Franz und ich investieren je 50 US-Dollar in den geführten Trip zum Boiling Lake – und es ist jeden Cent wert gewesen: Am Ende eines dreistündigen Aufstieges von alpinem Format warten die schwefel- und heißwasserspeienden Fumarolen des Valley of Desolation – und dahinter ein 67 Meter tiefer See, der von vulkanischer Aktivität auf seinem Grund permanent auf Kochtemperatur gehalten wird.

Harrison bringt uns rauf. Und danach zu einem badwannenwarmen, leicht schwefelig riechenden Bach, in dem wir unsere müden Füße baden. Und dann die ganzen Höhenmeter wieder runter. Der komplette Trampelpfad ist mit handgeschnitzten Holzschwellen im Eisenbahnschienenformat belegt und bildet eine Treppe, die gemütlich wäre, würde sie nicht passagenweise die Steilheit einer Haushaltsleiter und regenbedingt die Glätte einer Eislaufbahn annehmen.

Ich taufe sie „Stairway to Hell“ und keuche hinter Harrison her, der leichtfüßig von Holz zu Holz tänzelt und dabei in seiner Hosentasche serienweise Joints aus Naturtabak und einheimischen Kräutern wuzelt. Beim fünften Gerät höre ich zu zählen auf und als wir wieder ins Auto steigen, überrascht mich, dass unser Guide das Lenkrad und den Zündschlüssel findet.

Der Rest der Crew war derweil bei den Victoria Falls. Unter anderem. Geführt von Michel, dem Bildhauer, der irgendwann Herzprobleme bekam, Frankreich den Rücken kehrte und jetzt ein kleines Tourismusunternehmen auf Dominica betreibt.

Man wanderte nur zwei Stunden, fuhr ansonsten viel über gewundene Straßen und kehrte dann schließlich bei Moses James, der Rasta Legende, ein: Moses war einst Kämpfer für die Unabhängigkeit der Insel. Jetzt baut er auf seiner Farm Heilkräuter an, destilliert daraus Öle, und serviert gelegentlichen Gästen kreolische Vegi-Küche.

Und während man herzhaft zulangt, begegnet man wieder dieser fast unheimlichen Höflichkeit und Rücksichtnahme, die auf Dominica endemisch zu sein scheint:

Neben Karin sitzt ein Rasta wie aus dem Bilderbuch. Er zieht einen fetten Joint aus der Hosentasche. Und bevor er ihn anzündet, fragt er total höflich, ob es den Umsitzenden was ausmacht, wenn er…: „Do you mind if I light up my weed, madam?“

Also kurz gesagt: Bald wüssen wir weiter nach Guadeloupe, und da wartet der weiße Sand unter den rauschenden Palmen, aber Dominica…, also Dominica, da komme ich sicher wieder her. Aus wirklich guten Gründen. See you, people!